Zensus 2011 – Einen Versuch war es wert
Heute bekamen wir Post von unserem Erhebungsbeauftragten. Für kommenden Samstag meldete er sich zum “Zensusinterview” an. Allerdings haben weder meine Frau noch ich ein Interesse daran, unsere persönlichen Daten dem Herrn Z. mitzuteilen. Herr Z. hat freundlicherweise eine Handynummer auf der Terminankündigung hinterlassen. Eine günstigere Festnetznummer wäre mir zwar lieber gewesen, aber ich wollte Herrn Z. das Leben auch nicht unnötig schwer machen. Daher riefen meine Frau und ich ihn an, um ihm mitzuteilen, er möge die Fragebögen einfach in unserem Briefkasten hinterlegen. Wir würden diese dann selbständig ausfüllen.
Das Gespräch war knapp und freundlich. Ich hatte schon die Hoffnung, einen der “zwangsverpflichteten” Beamten als Befrager zu haben, denen die Befragung ebenfalls unangenehm ist. Herr Z. willigte ein, uns die Fragebögen im Briefkasten zu hinterlegen, ließ sich noch die Anzahl der Personen im Haushalt bestätigen (vier, da wir zwei Kinder haben) und meine Frau und ich waren erleichtert, da wir nach einigen Meldungen schon entnervende Auseinandersetzungen befürchteten.
Wir wollten uns gerade verabschieden, da klärte uns Herr Z. darüber auf, dass er die “ausgefüllten und unterschriebenen Fragebögen” dann anschließend bei uns wieder “abholen müsse“. Meine Frau und ich schauten uns verwundert an. Wir hatten uns mit dem Thema bereits im Vorfeld auseinandergesetzt und wussten, dass wir die Fragebögen an die Erhebungsstelle schicken müssen (Die Onlineübertragung kommt für uns aus Sicherheitsgründen nicht in Frage).
Ich erklärte Herrn Z. also, dass ich ihm die Fragebögen nicht wieder aushändigen würde und dass ich es reichlich bedenklich finde, dass er uns diese falsche Information wie eine Tatsache mitteilt. Darauf entgegnete er nichts mehr. Ich forderte ihn also erneut auf, die Fragebögen in unserem Briefkasten zu hinterlegen und beendete das Gespräch.
Für mich bleibt die Frage offen, ob hier ein System dahintersteckt. Es gibt meiner Meinung nach drei verschiedene Szenarien:
- Herr Z. geht tatsächlich davon aus, dass er die Fragebögen wieder einsammeln muss. Das halte ich persönlich allerdings für wenig wahrscheinlich. Immerhin sind die Erhebungsbeauftragten geschult worden.
- Wir sind ein vier Personen Haushalt. Für jeden von ihm ausgefüllten und übermittelten Fragebogen erhält er 7,50 €. Das macht in Summe 30 €. Wenn ich sie selber einschicke erhält er für das Einwerfen nur 2,50 € pro Fragebogen. In Summe also nur 10 €. Wenn ich sie jedoch an ihn zurückschicke und er sie an die Erhebungsstelle übermittelt bekommt er natürlich ebenfalls die volle Aufwandsentschädigung (für Befragungen, die er nicht durchgeführt hat).
- Er hat ein anderweitiges Interesse an den Daten. In der Broschüre, die er zusammen mit der Terminankündigung eingeworfen hat steht explizit, dass die Fragebögen selbständig ausgefüllt werden können und anschließend an die Erhebungsstelle geschickt werden sollen. Warum also sollte Herr Z. darauf bestehen, dass die Bögen ihm wieder ausgehändigt werden müssen? Es gab im Vorfeld genug Berichte über NPD Mitglieder, die so Informationen über politische Gegner sammeln wollen.
Wie dem auch sei. Keines dieser Szenarien bestärkt mich im Vertrauen in den Zensus.




Guten Tag! Ich bin selbst Erhebeungsbeauftragte und Studentin und ich verstehe Ihre Aufregung über Herrn Z. nicht. Was ist denn so verwerflich daran, dass wir Befrager – die diesen Job machen, um uns etwas dazu zuverdienen – statt 2,50 € natürlich lieber 7,50 € an einer Befragung verdienen würden? Ich kann ja verstehen, dass Sie über die Tatsache, sich überhaupt befragen lassen zu müssen, genervt sind, aber dafür können wir Erhebungsbeauftragten nix und Sie müssen uns ja schließlich nicht aus eigener Tasche bezahlen!Mfg
…und falls Sie jetzt sagen: wir haben uns die 7,50€ nicht verdient, da wir keine tatsächliche Befragung durchgeführt haben, kann ich Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, dass alleine das Überbringen der Bögen, fast dem selben Arbeitsaufwand entspricht, da eine Befragung ca. 5 Min in Anspruch nimmt. Ich finde es umgekehrt mittlerweile unangemessen, für manche Selbstausfüller nur 2,50€ zu bekommen, da ich manche Adressen extra aufsuche, nur um die Bögen zu übergeben, was mich durch An- und Weiterfahrt natürlich auch Zeit kostet, für die ich 2,50€ Aufwandsentschädigung zu wenig erachte.
@Sieglinde
Vielen Dank für diese interessanten Einblicke… Deiner Ausführung entnehme ich, dass es Herrn Z. vermutlich darum ging, etwas mehr Geld zu verdienen? Lese ich heraus, dass Du es genau so machen würdest? Ist das üblich bei den “Volkszählern”? Verstehe ich es richtig, dass Du deswegen ein wenig gefrustet bist? Hast du mit einer besseren Bezahlung gerechnet, oder darauf gehofft weniger Aufwand damit zu haben? Stößt Du häufig auf Mißmut bei den Personen, die Du befragst, oder ist es ein eher angenehmer Job?
Ich denke, dass man die Fragen alle mit ‘Ja’ beantworten kann und dann kommt das schon hin so …. Sieh mal, das ist ja so wie du schon erwähnt hast: Innerhalb ihrer ersten Erhebungsarbeiten stellen sie halt rasch fest (was sie nicht so direkt vermutet hätten, da sie ja einen teils fremden, teils kaputten Weltblick haben, sonst würden sie das ganze auch gar nicht machen …) dass es halt auch viele Bürger gibt die keinen Bock auf den Mist haben. Wie du schon geschrieben hast. Daher denken die sich dann meist, wieso nicht auch ein bissel mehr dran verdienen können bzw. dass ihnen sozusagen ein Bonus für die teilweise ‘schlechte Behandlung’ ihnen gegenüber zustünde, klar, vollkommen logisch.