Die Piratenpartei ist im Internet “äußerst schwach” aufgestellt… Nicht!

August 16th, 2009 | Tags: , , , , , , , ,

Oliver Markert stellt bei Focus Online eine ziemlich gewagte These auf. In seinem Podcast, welchen er “Ein digitales Armutszeugnis sondergleichen” betitelt, erläutert er:

Für eine Partei die mit digitalen Themen Punkten will, sind die Piraten äußerst schwach aufgestellt.

Das ist ziemlich erstaunlich, denn die meisten “Netizens”, sehen das anders. Aber nun gut, dass ist ein subjektiver Eindruck, den ich habe, und den eventuell andere ebenfalls Subjektiv teilen. Immerhin könnte man davon ausgehen, dass ein Focus-Reporter umfassend zu dem Thema recherchiert, bevor er eine so gewagte und vernichtende Aussage trifft. Wobei man ihm unstrittig zustimmen muss, ist dass der YouTube-Channel der Piratenpartei ziemlich öde ist. Was ich aber ziemlich erstaunlich finde ist, dass Herr Markert sich deshalb zu folgender Aussage hinreißen lässt:

Mit dieser Präsenz [bei Youtube] unterstreicht die Piratenpartei Ihren Ruf als Spaßpartei, die niemand ernst zu nehmen braucht.

Von einem “Online-Autor” Jahrgang ’80 würde man eigentlich erwarten, dass er mal ein wenig über den Tellerrand blickt, und weis, dass das Internet kein “Frontalmedium” mehr ist, wo sich die Rezipienten die Informationen an der Stelle abholen, wo sie für sie ausgeteilt wird. Im Gegensatz zu den anderen Parteien gibt es bei den Piraten nämlich eine große Menge engagierter Menschen, die Informationen selbständig ins Netz stellen, ohne dass diese erst von den Vorständen freigegeben werden müssten. Dies entspricht der Intention des Web 2.0. Man sollte davon ausgehen, dass ein “Online-Autor” die Methoden kennt, Informationen im Web 2.0 zu recherchieren. Herr Markert scheint allerdings zum einen nur Wahlkampf auf YouTube zu kennen, und zum anderen davon auszugehen, dass dieser nicht mit den Mitteln des Web 2.0 gemacht werden kann. Dabei wäre das vorgehen so einfach. YouTube besitzt eine Suche. Dort muss man lediglich “Piratenpartei” eingeben, und man erhält eine Menge interessanter Videos.

Doch wie sieht es grundsätzlich aus, mit der Positionierung der Piratenpartei im Internet? Alexa gibt hierüber umfassend Auskunft, und kann von jedem zum recherchieren verwendet werden. Die Ergebnisse sind sehr verblüffend, weil sehr konträr zu den Erkenntnissen des Herrn Markert. Ich habe zunächst bei Google die jeweiligen Parteinamen eingegeben, die ich vergleichen wollte, und jeweils die Domain des ersten Treffers zum Vergleich bei Alexa verwendet. Leider kann man nur mit vier weiteren Seiten vergleichen. Daher beschränkte ich mich auf die SPD, die FDP, die Grünen und die CDU. Dazu ist anzumerken, dass die Piratenpartei erst mit der Europawahl richtig bekannt wurde. Die nun folgenden Zahlen sprechen für sich:

Pageviews der Parteien

Pageviews der Parteien

Die sogenannten “Pageviews” geben an, wie oft im globalen Vergleich eine Webseite aufgerufen wird. Es ist deutlich zu erkennen, welche Vorreiterrolle die Piratenpartei hier einnimmt. Laut Alexa ist der Prozentsatz der Pageviews in den letzten drei Monaten um 932% gestiegen. Interessant ist bei der Gesamtbetrachtung auch, dass bereits vor einigen Wochen der Blog Farbwolke das Design der Piratenpartei massiv bemängelt hat. Ich finde immer wieder sehr interessant, dass viele Designer der Auffassung sind, dass das wichtigste an einer Webseite das Design mit vielen Links, Videos und Bildern sei. Das Design der Piratenpartei Webseite ist schlicht, übersichtlich und nicht aufdringlich. Eigentlich sollte jeder Designer seit dem Erfolg von Google wissen, dass es exakt das ist, was die meisten Benutzer sehen wollen.

Pageviews pro Benutzer der Parteien

Pageviews pro Benutzer der Parteien

Die Pageviews an sich sagen nicht viel über eine Webseite aus. Wichtig ist auch die Frage, wie viele Seiten auf der Webpräsenz sich ein Benutzer anschaut. Je interessanter und ansprechender eine Webseite ist, umso mehr Seiten schaut sich ein Benutzer an. Die Pageviews pro Benutzer sind daher ein wichtiges Indiz für die Relevanz und Qualität des Inhaltes der Webseiten. Auch in dieser Kategorie führt die Webseite der Piratenpartei und während die anderen Parteien mit der Relevanz und Qualität der Webseiten stagnieren, konnte die Piratenpartei in den letzten drei Monaten die Pageviews der Benutzer um 54% steigern.

Verweildauer auf den Seiter der Parteien

Verweildauer auf den Seiten der Parteien

Ein weiterer bedeutender Faktor für die Reichweite einer Webseite ist die durchschnittliche Verweildauer einzelner Benutzer auf einer Webpräsenz. Ist diese sehr gering, so ist davon auszugehen, dass der Benutzer die Seite zwar aufgesucht hat, die Seite, oder den Inhalt jedoch uninteressant fand. Ist die Verweildauer dagegen besonders hoch, so ist davon auszugehen, dass sich der Benutzer intensiver mit den Inhalten auseinandersetzt. Die Piratenpartei konnte die durchschnittliche Verweildauer Ihrer Leser in den letzten drei Monaten um 52% steigern, während die Anzahl der Bounces (Besucher, die nur eine einzelne Seite der Webpräsenz ansehen) in der gleichen Zeit um 14% gesenkt wurde. Was in dieser letzten Grafik besonders interessant ist, ist dass die FDP auf zweiter Stelle nach der Webseite der Piratenpartei steht. Laut dem oben genannten Farbwolke-Blog ist das jedoch designtechnisch die schlimmste Webseite. Auch hier kann man also erkennen, dass es dem Wähler mehr auf Inhalte als bunte Bildchen ankommt.

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  1. August 16th, 2009 at 14:13

    Viele Designer gehen nach dem Aussehen, ob es freundlich wirkt oder nicht. Bei der Piraten-Webseite, wirst du mit Links und Informationen zugemüllt, wo klickt man als erstes hin? Was macht der 65 Jährige, der sich mal schnell einen Überblick verschaffen will?

    Deswegen sind eben einige Seiten eben übersichtlicher und besser gestaltet. Es geht nicht um bunte Bildchen, sonst hätte die CSU damals auch nicht gewonnen. ;)

  2. Schnuffelmonster
    August 16th, 2009 at 14:54

    Naja es kommt vom Focus, dieser Illustrierten die mal ein Nachrichtenmagazin werden wollte. Wem die Redaktion dieses Blattes politisch nahesteht sollte eigentlich bekannt sein, von daher wundert mich so ein Artikel eigentlich nicht.

  3. jamasi
    August 17th, 2009 at 04:20

    @ Martin
    Aus dem Grund wird demnächst auch unser speziell dafür optimiertes Wahlkampf-Portal online gehen. (preview unter: wahl.piratenpartei.de)

  4. August 17th, 2009 at 09:53

    Auch Herr Markert muss seine Beiträge durch den Filter der Chefredaktion bekommen. Ich glaube das vielen Piraten noch gar nicht bewusst ist, welche Existenzangst Sie bei den privaten klassischen (Print-)Medien erzeugen.
    Diese Verfahren nämlich nach dem gleichen Geschäftsmodell wie die Musikverwerter. Sie verwerten die z.B. von Herrn Markert geschriebenen Beiträge – an denen sich der Focus natürlich exklusive (Nutzungs-)Rechte sichert – und speisen den Urheber (immer noch Herr Markert) mit einem Minimum ab ….

  5. AncientPrincess
    August 25th, 2009 at 00:16

    Heißt das Video bei Focus nicht Podcast-Check oder so ähnlich? Vielleicht ging es denen gar nicht darum, den gesamten Wahlkampf im Netz abzubilden.

  6. September 28th, 2009 at 10:41

    richtig! wir haben gestern die meldung in umlauf gebracht” piratenpartei mit 13 prozent in den bundestag gezogen; die meldung landete auf twitter am abend bei focus online…
    wenn wir gewusst hätten, dass die partei derart unfähig ist, hätten wir schon vor 3 tagen initiative ergriffen, unser artikel wurde 12.000 mal gelesen und 400 mal verlinkt ( in 4 stunden )
    dann hätten wir millionen schon früher erreicht, mhm leider vorbei

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