Kommunikation im 21. Jahrhundert

Es gibt bezüglich des Internets keinen Generationenkonflikt. Es gibt lediglich ein Unverständnis darüber, warum die neue Kommunikationsform die hinderlichsten Nachteile der bisherigen Kommunikationsformen obsolet macht, deren Vorteile jedoch vollständig erhält.

Es gibt verschiedene Arten zu Kommunizieren. Traditionell gibt es eine 1-zu-1-Kommunikation. Darin gibt es einen Kommunikator und einen Rezipienten. Diese einfachste Form der Kommunikation gibt es schon seit mehreren tausend Jahren. Es ist das Gespräch, in dem eine Person einer anderen etwas mitteilt. Sei es durch Sprache, Briefe, oder moderner auch per Telefon oder E-Mail. Diese Kommunikationsform zeichnet sich dadurch aus, dass es einen Kommunikator und genau einen Rezipienten der Nachricht gibt. Eine bidirektionale Kommunikation ist möglich, man kann in der Regel unmittelbar antworten und Bezug nehmen. Andere in das Gespräch einzubeziehen ist jedoch schwierig, wenn immer über diese beiden Personen kommuniziert werden muss.

Daher gibt es eine weitere Form der Kommunikation. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass es einen Kommunikator gibt, und viele Rezipienten. Diese 1-zu-n-Kommunikation findet man zum Beispiel bei Reden und Ansprachen. Doch auch Werbung in Form von Plakaten nutzt dieses Modell. Moderne Formen dieser Kommunikation sind das Radio oder das Fernsehen. Hier jedoch ist die Umsetzung einer bidirektionalen Kommunikation sehr schwierig. Man erreicht zwar ein großes Publikum, jedoch ist es noch schwieriger Feedback zu bekommen als im direkten Gespräch.

Bis hierher konnten die meisten Menschen vermutlich noch folgen. Es handelt sich um Kommunikationsformen, die die meisten Menschen von Kindesbeinen an erlernt haben. Doch nun trennt sich die Spreu vom Weizen. Durch das Internet hat sich eine neue Kommunikationsform entwickelt. Doch diese neue Kommunikationsform wird von vielen Menschen nicht “begriffen”. Denn das Problem ist, dass diese Kommunikationsform tatsächlich nur schwer greifbar ist.

Die Rede ist von der n-zu-n-Kommunikation. Das Internet macht es möglich. Man kann es auch als “peer to peer”-Kommunikation bezeichnen. Jeder kann jederzeit mit jedem Kommunizieren. Jeder kann an dieser Kommunikation teilhaben und sich auch einbringen. Weder die Anzahl der Rezipienten, noch die Anzahl der Kommunikatoren ist beschränkt. Es bietet also die Vorteile beider bisherigen Kommunikationsformen, ohne deren Nachteile. Es ist möglich viele Menschen zu erreichen und von allen Feedback zu erhalten. Dieses Konzept ist jedoch auch immanent mit dem Internet verbunden. Es in die analoge Welt zu übertragen würde in vielerlei Hinsicht scheitern.

Man versuche sich vorzustellen, ein Stadion sei mit aber-tausenden Menschen gefüllt, die über hunderte interessante Themen sprechen. Für eine Person ist es schier unmöglich sich so zu Positionieren, dass sie an sagen wir drei der Themen, die ihr interessant erscheinen partizipieren kann, ohne einen Großteil der Informationen nicht erfassen zu können. Es erscheint wie pure Anarchie, und eine nahezu unlösbare Aufgabe. In der analogen Presse versucht man das durch Leserbriefe zu kompensieren, oder im Fernsehen und Radio durch Anrufe bei der Moderation. Doch bei den Leserbriefen scheitert es an der Geschwindigkeit der Veröffentlichung, die es schwer macht einer Thematik aufmerksam zu folgen. Telefonanrufe in Radio und Fernsehen sind durch den technischen und zeitlichen Rahmen stark beschränkt. Es kann also nicht jeder partizipieren, der eventuell wollte.

Generationenkonflikt?

Generationenkonflikt?

Das Internet bietet mit all seinen sogenannten Web 2.0 Applikationen jedoch genau diese Möglichkeit. Es gibt Mittel, um diese schier endlosen Informationsfluten automatisiert zu filtern und somit nur die wichtigsten Informationen herauszufischen. Im Gegensatz zu Zeitungen kann man sich so sein Portfolio an Informationen selbst zusammenstellen. Diese Techniken nutzen zu können setzt jedoch zum einen eine gewisse Affinität voraus, und zum anderen muss das zu Grunde liegende Konzept der n-zu-n-Kommunikation verstanden worden sein. Dies ist jedoch bei vielen Personen, die bisher nur die Kommunikationstechniken kennen, die aus der analogen Welt abgeleitet wurden nicht der Fall. Frappierender weise kommt hinzu, dass es viele Personen gibt, die meinen, dass durch das Nutzen einer Webseite das Internet von Ihnen “verstanden” wurde. Das ist jedoch nicht der Fall. Es zeigt lediglich, dass sie die alte 1-zu-n-Kommunikation erfolgreich im Internet umsetzen können. Die Tatsache, dass hier weiterhin versucht wird in guter Tradition das Internet als weiteres Medium für die 1-zu-n-Kommunikation zu nutzen wirkt antiquiert und Lebens fremd. Es stellt sich bei den Personen, die die n-zu-n-Kommunikation beherrschen umgehend das Gefühl ein, dass es sich um einen Fremdkörper handelt. Erst, wenn man selbst-bestimmt und selbstbewusst an der n-zu-n-Kommunikation teilnimmt, dann hat man auch verstanden, was das eigentliche Problem ist.

Das was nun vielerorts als “Generationenkonflikt” abgetan und verharmlost wird, ist in Wirklichkeit eine erschreckende Kluft zwischen jenen, die diese neue Kommunikationsform verstanden haben und jenen, die diese Kommunikationsform (noch) nicht verstanden haben. Doch diese Kluft ist keinesfalls Generationen-abhängig. Es gibt in allen Gesellschaftsschichten und allen Altersklassen Personen, die diesen Unterschied verstanden haben.

Das Internet wird manchmal mit der Relevanz des Buchdruckes verglichen. Doch auch diese Idee ist nicht ganz richtig. Die hocheffiziente n-zu-n-Kommunikation in Echtzeit kommt einem Evolutionssprung gleich. Die hinderlichsten Nachteile der alten Kommunikationsformen wurden eliminiert und die Vorteile dabei erhalten.

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